16MM FILM

DIGITALE REFERENZKOPIE: 16MM FILM

Eine digitale Referenzkopie ist eine durch eine Abtastung hergestellte digitale Version einer, in diesem Falle, analogen Filmkopie (Ton und Bild kombiniert), die in erster Linie für die teilweise oder komplette Sichtung des Filminhalts angefertigt wird. Sie ist keine 1:1 Kopie, sprich ihre Auflösung entspricht nicht der Auflösung des analogen Ausgangsmaterials, sondern liegt erheblich niedriger. Eine digitale Referenzkopie ist daher nicht zu verwechseln mit einer Arbeitskopie, wie sie für die Weiterbearbeitung mit Restaurierungssoftware (zum Beispiel DIAMANT) oder für die Postproduktion (zum Beispiel Colorgrading) benötigt wird. Sie ist auch keine digitale (Kino-)Vorführkopie oder eine Kopie für die digitale Langzeitarchivierung, da der Qualitätsverlust, sprich der Verlust an Bild- und Toninformation durch die für die Herstellung einer Referenzkopie ausreichende niedrigere Auflösung, zu groß ist.

Welchen Nutzen hat eine digitale Referenzkopie?

Sie ermöglicht den schnellen Zugriff auf den Filminhalt in einfach zu bedienenden Abspielsystemen, die weit verbreitet sind (DVD-Player, Webplayern wie Quicktime, Windows Media Player und so weiter). Aufgrund ihrer reduzierten Auflösung und damit geringeren Datenmenge sind Referenzkopien via Internet schnell zu versenden oder auch auf mobilen Trägern wie Notebooks, externen Festplatten oder DVDs im Vergleich zu analogen Kopien relativ problemlos und kostengünstig zu transportieren. Das macht Referenzkopien in großem Maße ortsunabhängig. Im dafür vorgesehen Format abgespeichert, ist eine detaillierte Filmsequenzanalyse im Rahmen einer filmischen Quellenkritik möglich, zum Beispiel bei avi oder mpeg-Dateien. Hinzu kommt die Möglichkeit Timecodes und Bildnummern einzufügen und abzulesen sowie Standbilder zu fixieren. Somit kann eine optimierte Analyse der formalen und inhaltlichen Gestaltung durchgeführt werden, ohne dass dafür die originalen Filmkopien oder eventuell bereits angefertigte hochwertige Videokopien beansprucht werden müssten (siehe auch: Einleitung – Exkurs in die Geschichte). Laut Manfred Thaller ermöglichen digitale Kopien von Filmen ein „verbesserte Art der Forschung“. Denn vor allem „durch das Internet haben sich die Formen wissenschaftlicher Forschung und Kommunikation grundlegend verändert“.[1]

Liegt eine Referenzkopie in qualitativ ausreichender Form und in geeigneter Datenkompression vor (gute Farb- und Kontrastwiedergabe, keine störenden Artefakte, keine Blockbildung, keine Verpixelung), kann sie auch als Hilfsmittel bei der inhaltlichen Rekonstruktion dienen, zum Beispiel durch Szenenvergleiche. Für digitale Restaurierungsmaßnahmen ist sie allerdings nicht geeignet, da der Aufwand so groß wäre, dass diese besser an einer hochwertigen Kopie durchgeführt werden sollten. Wenn überhaupt, zahlen sich kostspielige Restaurierungsmaßnahmen wie Descratching, Deflickering oder Dedusting nur dann aus, wenn im Anschluss eine wie auch immer geartete Auswertung (Kinoauswertung, Festivals, Blu-Ray-Discs oder ähnliches) stattfinden kann. Wie bereits ausgeführt, ist dies mit einer digitalen Referenzkopie nicht möglich.

Abgesehen von diesen Nutzungsaspekten spricht ein weiterer Grund für die Herstellung von Referenzkopien, der konkret mit der besonderen Situation des Medienarchivs der HTW Berlin zusammenhängt. Wie bereits an anderer Stelle erläutert (Link), werden die zwei qualitativ besten Kopien eines Films nach der Befundung durch die Studierenden an das Bundesarchiv Filmarchiv abgegeben. Wenn nur eine oder zwei Kopien eines Films vorliegen, werden diese Kopien abgegeben, auch wenn dadurch keine Kopie an der HTW verbleibt. Werden vor der Abgabe von diesen Filmkopien keine Referenzkopien hergestellt, wird es im Nachhinein nur noch sehr schwer möglich sein, diese Filme für eine Abtastung zurückzuerhalten. Schon aus diesem Grunde sollten, soweit möglich, von allen Filmen Referenzkopien angefertigt werden.

Allerdings stellt die Digitalisierung auch ein Problem dar, welches bei der Anfertigung analoger, sprich fotochemischer, Kopien kaum besteht. Sind Digitalisate erst einmal in Form von DVDs, Festplatten oder via Internet herausgegeben worden, sind sie der Gefahr der unkontrollierten Weitergabe und der Kopierung preisgegeben. Es wäre daher zu überlegen, ob hochaufgelöste Digitalisate überhaupt aus dem Archiv herausgegeben werden. Eine Möglichkeit, unkontrollierter Weitergabe entgegenzuwirken, stellt das Integrieren von Wasserzeichen, Logos oder auch Timecodes ins Bild dar, die teilweise allerdings den Bildeindruck beeinträchtigen.

[1] GÖRL, Simone: Digitalisierung und Nutzungsmöglichkeiten historischen Filmguts, aus: Der Archivar, Zeitschrift für Archivwesen, Heft 01, 62. Jahrgang, Februar 2009, Düsseldorf/Fulda, S. 24