FILMABTASTUNG

Kinefilm kann mit Hilfe eines Filmabtasters, auch Telecine oder FAT genannt, abgetastet werden, wobei die Filmabtastung sowohl analog als auch digital bis in den High Definition-Bereich erfolgen kann. Abtasten heißt zunächst, das Filmbild abzulesen und in elektrische Signale umzuwandeln, das so genannte Videosignal. Schon das analoge Fernsehen verwendete Filmabtaster zur Übertragung von Laufbildfilm. Hochauflösende Filmabtastungen werden als Filmscanning bezeichnet, die dafür verwendeten Abtaster als Filmscanner bezeichnet.

Filmabtastungen werden für folgende Zwecke durchgeführt:

  • Abtastung von Kinofilmen, bevor sie im Fernsehen ausgestrahlt werden
  • Überspielung von Filmen für eine Veröffentlichung auf DVD oder Video
  • Weiterbearbeitung mit digitalen Filmrestaurierungsprogrammen (DIAMANT)
  • Digitale Nachbearbeitung, zum Beispiel Colorgrading, non-linearer digitaler Schnitt (AVID, Premiere usw.), Ergänzung von visuellen und Special Effects

Es gibt verschiedene Verfahrensweisen für die Abtastung von Filmen. Zu Beginn der Entwicklung wurden Bildspeicherröhrenabtaster verwendet. Ein Bildspeicherröhrenabtaster war eine Fernsehkamera, die auf einen Filmprojektor gerichtet wurde und das projizierte Bild aufzeichnete.[1] Darauf folgten die Lichtpunktabtaster (auch unter „flying spot“ bekannt) (s. Abb.1). Durch eine Abtaströhre wurde der Film über eine Doppeloptik (s. Abb. 2) im Zeilensprungverfahren punktweise auf eine Fotozelle projiziert. Die Fotozelle verwandelte das Licht in entsprechend modulierte elektrische Signale.[2]

Schema Abtastung:

Prinzip Flying Spot, WEBERS 1993, S. 558

Abb. 1: Prinzip des Flying-Spot Systems

Punktlichtabtaster mit Doppeloptik

Abb. 2: Punktlichtabtaster mit Doppeloptik

Für Fernsehen in Farbe waren drei Fotozellen nötig (und dichroitische Spiegel) (s. Abb. 3).

Abtaster für Farbwiedergabe

Abb. 3: Abtastung für Farbwiedergabe

Für solche Abtastungen wurden von europäischen Fernsehanstalten (50 Hz-Länder) gern Filmwiedergabegeräte mit kontinuierlichem Filmlauf und optischem Ausgleich verwendet. Solche Projektortypen gab es bereits sehr früh in der Geschichte der Kinematografie. Ein legendärer Projektor, der nach dem Zweiten Weltkrieg bis mindestens in die 1960er Jahre gern als Bildgeber für das Fernsehen verwendet wurde, war der Mechau-Projektor, dessen Produktion längst ausgelaufen war. [3]

Prinzip des optischen Ausgleichs beim Mechau-Projektor

Abb. 4: Prinzip des optischen Ausgleichs beim Mechau-Projektor

Mehr Informationen zum Mechau gibt es hier

Die neueste Entwicklung stellt seit den 1980er Jahren die Verwendung von CCD-Aufnahmechips (engl.: Charged Coupled Device) dar, die heute sowohl bei Filmabtastern als auch bei Filmscannern zum Einsatz kommen. Die abgetastete oder gescannte Bildfläche wird hierbei in horizontale und vertikale Bildpunkte zerlegt.[4] „Bei CCD-Abtastern wird zur Lichterzeugung keine Röhre, sondern eine leistungsstarke Halogen- oder Xenonlampe eingesetzt, deren Lichtspektrum mittels Filtern an das Filmmaterial angepasst wird.“[5] Diese Lampe durchleuchtet das Filmbild, wird dabei durch den Dichteverlauf moduliert und auf der anderen Seite auf ein Strahlenteilerprisma abgebildet, wobei es in seine RGB-Anteile zerlegt wird. Dieses elektronische Abbild des analogen Filmbildes wird von dem CCD-Chip gespeichert und digital weiterverarbeitet. Am Ende des Vorgangs steht das Videosignal sowohl analog als auch digital zur Verfügung.[6]

aus: Schmidt, Ulrich: Digitale Film- und Videotechnik, Hamburg, S. 166

Abb. 5: Strahlenverlauf beim CCD-Zeilenabtaster


[1] CASE, Dominic: Filmtechnik in der Postproduktion – Das Kompendium, Frankfurt am Main, 2004, S. 166

[2] SCHUBERT, Gotthold: Die Verwendung des Films im Fernsehen. In: Bild und Ton, Heft 4/ 1962, S. 117

[3] ENZ, Kurt: Die Filmprojektion mit kontinuierlich ablaufendem Film – der optische Ausgleich. In: Bild und Ton, Heft 11/1961, S. 350

[4] SCHMIDT, Ulrich: Digitale Film- und Videotechnik, 2. und überarbeitete Auflage, Hamburg, 2008, S. 128

[5] SCHMIDT, Ulrich: Digitale Film- und Videotechnik, 2. und überarbeitete Auflage, Hamburg, 2008, S. 166

[6] SCHMIDT, Ulrich: Digitale Film- und Videotechnik, 2. und überarbeitete Auflage, Hamburg, 2008, S. 166