DIGITALE REFERENZKOPIEN

Wie können die im Medienarchiv der HTW aufbewahrten Medien künftig besser zugänglich gemacht werden?

Die bisher nur sehr begrenzte interne Verwertung der Filme, Bilder und Töne durch die Studierenden der HTW als Übungsmaterial für Sichtung und Befundung könnte in Zukunft durch eine externe Verwertung durch Wissenschaft und Forschung ergänzt und bereichert werden. Öffentliche Archive habe heute mehr denn je die Aufgabe, den Zugang zu ihren Beständen zu erleichtern und auf ihre Schätze aufmerksam zu machen.

Vielfach geschieht das seit einigen Jahren durch das Internet. So hat sich auch das Lernen beziehungsweise die Art der Informationsbeschaffung geändert. Man kann gezielter nach bestimmten Informationen für spezielle Forschungsgebiete suchen, die noch nicht erschlossen sind. Die Filme des Medienarchivs könnten eine wertvolle Informationsquelle verschiedenartigster Forschungen sein.

Aber die HTW-Medien können nicht verleihen werden wie die Bücher einer Bibliothek. Abgesehen davon, dass es sich zu einem großen Teil um Unikate handelt, könnte kaum ein Entleiher mit einer Filmrolle etwas anfangen, da Film an die Abspieltechnik gebunden ist.  Zudem sollten auch doppelt vorhandene Kopien vor Verschleiß bewahrt bleiben. Die größtenteils auf Acetatträger vorliegenden Filme sind vielfach bereits stark geschrumpft, so dass ein Abspiel auf üblichen Geräten mechanische Schäden bedeuten würde. Vor allem aber müssen potenzielle Nutzer erst einmal angesprochen und auf die Sammlung aufmerksam werden.

Das Internet wäre die geeignete Plattform, Interesse für die Medien zu wecken, ohne dass die „Originale“ angetastet werden müssen.

Aber es gibt noch einen weiteren Vorteil der Digitalisierung. Der vereinfachte Zugang durch das Internet hätte einen größeren Zugriff auf die Medien zur Folge, welcher bei einer fortgeschrittenen Bearbeitung der Sammlung wiederum Nutzungsgebühren generieren könnte, die dann die weitere Digitalisierung refinanzieren könnten. Wenngleich diese Möglichkeit im Moment noch nicht realistisch ist, wäre sie auf jeden Fall für die Zukunft zu berücksichtigen.[1]

Die Möglichkeiten der Digitalisierung stellen eine große Chance für Archive mit audiovisuellen Beständen dar. Die rapide Entwicklung neuer Komprimierungsverfahren sowie die immer leistungsstärkeren Speichermedien bei einem gleichzeitigen Preisverfall der dafür notwendigen Technologien bieten eine sehr gute Voraussetzung für die Herstellung digitaler Kopien der Archivbestände, die bisher auf analogem Filmmaterial vorliegen.

»Die Sicherung des audiovisuellen Erbes ist ein komplexer Prozess, der eine Reihe von rechtlichen, institutionellen, technischen und finanziellen Lösungen erfordert. Nichthandeln bedeutet, den Verlust eines ganzen Kapitels dieses Erbes in weniger als zehn Jahren und führt zu einer beleibenden Verarmung von Gedächtnis, Kultur und Identität der Menschheit«

Koïchiro Matsuura, Generaldirektor der UNESCO | Tag des audiovisuellen Erbes | 2007

[1] GÖRL, Simone: Digitalisierung und Nutzungsmöglichkeiten historischen Filmguts, aus: Der Archivar, Zeitschrift für Archivwesen, Heft 01, 62. Jahrgang, Februar 2009, Düsseldorf/Fulda, S. 25