1. EINLEITUNG

Vorstellung des Bestandes Magnettonbänder (1/4”)

Neben den Lehrfilmen produzierte das IFBT (Institut für Bild und Ton) vor allem Tonaufnahmen für den Einsatz an Schulen und Universitäten als Lehrmaterial. Auf rund 2700 Magnetbändern sind Lehrinhalte auditiv aufgearbeitet gespeichert, die auch oft für den kombinierten Medieneinsatz zusammen mit Polyluxfolien und Diaprojektionen gedacht waren. Die Themenbereiche sind vielfältig und decken neben Sprachkursen aller Art (z.B. Rundfunkkurs „Miteinander sprechen“ – Deutsch für Anfänger; „Russisch aktiv für Politik, Wirtschaft, Kultur“; „Phonetik der deutschen Sprache“) die klassischen Unterrichtsfächer von Biologie bis Politik jedoch auf Universitätsniveau ab, umfassen aber auch Basis- bis Spezialwissen für medizinische und technische Fachrichtungen.

Es ist davon auszugehen, dass die Magnetbänder als qualitativ hochwertiges Ausgangsmaterial dienten, um davon Verleih- oder Verkaufsexemplare, z.B. auf Audiokompaktkassette, herzustellen. Diese Nutzungskette wird für wahrscheinlich gehalten, denn zum Bestand gehört ein Konvolut Audiokompaktkassetten. Das war ein praktikableres Format für vortragende Endanwender – hinreichend in Tonqualität und Materialgröße. Der Bestand Kompaktkassetten ist wesentlich kleiner, enthält etliche Duplikate und deckt nicht alle Bestandsnummern der Magnetbänder ab. Andersherum existiert kein Kassettentitel ohne zugehöriges Magnetband (es wurden Stichproben genommen). Diese einmalige Sammlung Masterbänder besitzt also Unikatcharakter. Es sind zum jetzigen Zeitpunkt keine weiteren Kopien dieser Lehrinhalte bekannt.

Außerordentlich hoch einzuschätzen ist, dass dieser Bestand nach der Abwicklung des IFBT im Jahre 1992 und dem anschließenden Hin und Her bis heute in seiner Vollständigkeit bewahrt wurde. Zusammen mit den zugehörigen visuellen und audiovisuellen Medien stehen die Audiobänder für ein Lehrverständnis und eine Lehrpraxis, wie sie heutzutage nicht mehr üblich ist. Auditives Lehrmaterial wird inzwischen für Unterrichtszwecke vornehmlich von digitalen Datenträgern abgespielt, vereinzelt sind noch CDs im Einsatz, visuelle Inhalte werden mit Projektoren an die Wand geworfen,. So stehen wir vor einem einzigartigen kulturhistorischen und dazu in seinen Einzelbestandteilen kompletten Zeugnis, das höchst erhaltenswert ist.

Doch dazu bedarf es Einsatz und Pflege. Die größtenteils auf Celluloseazetat gespeicherten Tonsignale sind begrenzt überlebensfähig. Gefahr droht von allen Seiten: Das Material ist der Alterung und damit dem allmählichen Signalzerfall unterworfen, Abspielgeräte werden rar, nicht mehr hergestellt, ihre Ersatzteile sind nur noch über Liebhaber und Nischenhändler zu erwerben.

Im kommerziellen Sektor sind Kompaktkassetten inzwischen nahezu vom Markt verschwunden, Magnetbänder nur noch in professionellen Studios und Archiven anzutreffen. Das zeigt, dass – wollte man die Inhalte erhalten – eine Umwandelung in ein zeitgemäßes, digitales Format zwingend erforderlich. Nur sie garantiert die langfristige inhaltliche Erhaltung des Bestands.