DAS DIAPOITIVVERFAHREN

Das Anliegen, Gesehenes nicht ausschließlich in Grauwerten, sondern in seinen natürlichen Farben festzuhalten, bestand schon seit Entwicklung und Bekanntgabe der frühen fotografischen Verfahren. Hiervon zeugen nachträglich colorierte Daguerreotypien und Salzpapierabzüge. Anfang der 1860er Jahre  wurde es möglich, farbrichtige, fotografische Abbilder durch Übereinanderprojektion mittels spezieller Technik wahrzunehmen, die von den Gebrüdern Lumière Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte Autochromplatte bot in der Durchsicht/Projektion ein farbiges Bild. Erst in den 1930er Jahren jedoch erreichte der Diafilm durch Kodachrome und Agfacolor die breite Masse.

Im Vergleich zum Farbnegativ/-positiv bot der Diafilm einen wesentlich höheren Kontrastumfang, weshalb er sich besonders in der Werbefotografie, für Reportagen (besonders Reisereportagen), zur fotografischen Dokumentation (zu wissenschaftlichen Zwecken, von Sammlungsgegenständen) teilweise bis heute behaupten konnte. Auch für private Aufnahmen war er sehr beliebt.

Zu welchen Zwecken Diafilmmaterial auch genutzt wurde: Der Film musste korrekt belichtet werden. Farbpositivmaterial erlaubt keine nachträgliche Farbkorrektur (anders als beim Farbnegativ, welches bei der Herstellung des Farbpositivs gefiltert werden kann). Die sorgfältige Wahl einer den Lichtverhältnissen entsprechenden Sensibilisierung, ggf. die Nutzung von Farbfiltern war unumgänglich, um Farbstichen entgegenzuwirken.

Die Präsentation von Diapositiven erfolgt in der Projektion, wozu das einzelne Diabild gerahmt sein muss. Ein Diafilm-Bild bedarf aufgrund des flexiblen Trägers zusätzlicher Stabilisation. Bis in die 1960er  Jahre war es üblich, zur Rahmung konfektionierte Metall- oder Kunststoffrahmen mit „Schutzglas“ zu nutzen. Gerade im privaten Bereich wurden Dias aber auch oft zwischen zwei, an den Kanten mit Klebeband verklebten Glasplatten gerahmt. (Problem: „Einmal im Rahmen-immer im Rahmen“; bei zu hoher Temperatur/Luftfeuchtigkeit quillt die Gelatine der Fotoschicht u. verklebt mit dem Glas). Die Rahmung in glaslose Kunststoffrahmen setzte sich daher durch.

Diapräsentationen boten sich für Lehrzwecke an, Vorlesungen/Vorträge ließen sich aufgrund der Größe des präsentierten Bildes in der Projektion hervorragend mit Dias illustrieren.

Im musealen Bereich wurde Diafilm zur Reproduktion von Kunstobjekten verwendet,  er bot sich an zur Bestandserfassung („Original vom Original“ in bestmöglicher Abbildungsqualität) und zur Herstellung von Druckvorlagen für Kataloge und Broschüren. Lange Zeit konnte auch der private Museumsbesucher, vorwiegend in historischen oder naturkundlichen Museen, einzelne Dias der Sammlungsobjekte am jeweiligen Haus käuflich erwerben (meist im Kleinbildformat).

Private Bilder, wie „Urlaubsbilder“ hat der ambitionierte Amateurfotograf leidenschaftlich auf Diafilm angefertigt, um Erinnerungen in einem „Diaabend“ wieder aufleben zu lassen.

Produktaufnahmen für Werbezwecke werden teilweise noch heute auf Diafilm angefertigt, auch im „digitalen Zeitalter“ bietet ein hochauflösender Scan eines Großbild-Dias hervorragende Ergebnisse.

Letztendlich wird der Diafilm jedoch durch digitale Aufnahmen verdrängt werden. Diapräsentationen, ob private „Diaabende“ oder mit Diaprojektionen illustrierte Lehrvorträge  wurden nach und nach durch digitale Technik ersetzt. Digitale Bilddateien werden „gebeamt“, private Bilder wenigstens per Bildschirmpräsentation (interessant der Menüpunkt „Diapräsentation“) angesehen. Diafilm, besonders im Kleinbildformat, fand von Anfang an weite Verbreitung Reisefotografie.
Zur Dokumentation von Reisen in entlegene Gebiete greifen Fotografen auch heute noch immer gerne auf den klassischen Diafilm zurück: Wenn bei ausgedehnten Expeditionen im Himalaya oder bei der Durchquerung der mongolischen Steppe wochenlang kein Stromanschluss in Sicht ist, können nicht tonnenweise Reserve-Akkus für die digitale Kamera mitgenommen werden. So werden in Zeitschriften wie „National Geographic“ veröffentlichte Bilder, zumindest anteilig, nach wie vor auf Diafilm angefertigt. Gelegentlich hat man auch noch immer  die Möglichkeit zu auf Plakaten angekündigten Reisevorträgen zu gehen, wie „Feuerland – Vortrag und Diapräsentation“.

Über kurz oder lang wird die zur Projektion des originalen Dias benötigte Technik jedoch obsolet werden.

Also gilt es, vorhandenes Diafilmmaterial bestmöglich zu konservieren, um Digitalisierung auch in kommenden Jahrzehnten noch gewährleisten zu können.

Entwicklungsgeschichte

Im Jahr 1861 stellte der schottische Physiker James Maxwell, basierend auf seiner 1855 veröffentlichten Theorie der Dreifarbenfotografie in London ein farbiges Projektionssystem vor. Von einem Original wurden nacheinander drei Schwarz Weiß Aufnahmen hergestellt, bei jeder Aufnahme wurde ein Farbauszugsfilter vorgeschaltet. Für die erste Aufnahme verwendete Maxwell einen Blaufilter, der nur blauhaltige Srahlen passieren ließ. So entstand ein Negativ, das in den Bereichen eine Schwärzung aufwies, an denen das Original Blau war oder Blau    enthielt. Bei der zweiten Aufnahme verwendete er einen Grünfilter, bei der dritten einen Rotfilter. Maxwell erfand somit den additiven Dreifarben-Auszug. Die drei Negative wurden umkopiert; es entstand ein Blau-Auszugsdiapositiv, das an den Stellen hell war, an denen das Original Blau enthielt, ein Grün-Auszugsdiapositiv (hell an grünen Originalstellen) und ein Rot-Auszugsdiapositiv (hell an roten Originalstellen). Die drei schwarz weissen Auszugsdiapositive wurden in drei Projektoren eingelegt, vor deren Objektiv sich die jeweils bei der Aufnahme verwendeten Selektionsfilter befanden. Durch Projektion übereinander entstand mittels additiver Farbmischung auf der Leinwand ein ein farbiges Projektionsbild. Bei dieser Methode waren nur Aufnahmen von unbewegten Motiven möglich. Um die Jahrhundertwende konstruierte Wilhelm Bermpohl eine Strahlenteilerkamera, die mit einer Aufnahme, über teildurchlässige Spiegel und fest montierte Selektionsfilter vor den Filmebenen, einen Dreifarbenauszug auch von bewegten Motiven ermöglichte.

Auf dem Prinzip der additiven Auszugsfotografie basiert auch die von den Gebrüdern Lumière 1908 auf den Markt gebrachte Autochromplatte. Gefärbte Stärkekörner in den additiven Grundfarben Rot, Grün  und Blau wurden auf eine Glasplatte, die mit einer klebrigen Schicht versehen war, aufgestäubt. Da die Stärkekörner nicht dicht aneinander schließen, wurden die Zwischenräume mit Ruß ausgefüllt. Darüber goss man eine panchromatische Schwarz Weiss -Fotoschicht. Die Belichtung erfolgte durch die Glasplatte, das Licht musste also zunächst die gefärbten Stärkekörner durchdringen, bevor es auf die lichtempfindliche Fotoschicht fiel. Die farbigen Stärkekörner wirkten dabei wie winzige Selektionsfilter. Wurde z.B. ein gelber Gegenstand fotografiert, liessen nur die grünen und roten Stärkekörner das gelbe Licht passieren, so dass nur hinter den grünen und roten Stärkekörnern die Fotoschicht belichtet wurde. Nach einer Umkehrentwicklung war an diesen Stellen kein Silber mehr vorhanden, in der Durchsicht/Projektion konnte weisses Licht die durch diese Bereiche durchscheinen und wurde von den grünen und roten Stärkekörnern gefärbt. (Additive Farbmischung ROT+GRÜN=gelb).
Nach diesem Vorbild wurden zahlreiche farbfotografische Materialien (auf unterschiedlichen Trägern; Glas, Film) entwickelt.

Die rein additiven Farbverfahren erzielten überzeugende Ergebnisse in Farbe und Auflösungsvermögen jedoch nur in der beschriebenen Übereinanderprojektion der einzelnen  Dreifarbauszüge  (vgl. Maxwell, s.o.), also ausschließlich in Mischung der Lichtfarben. Die anderen additiven Farbverfahren lieferten Bilder in trüben Farben und schlechter Auflösung. So wurde die Kombination eines additiven Dreifarbenauszuges mit substraktiver Farberzeugung im fotografischen Material der Urtyp aller Farbfotografischen Verfahren.

1935 kommt Kodachrome als 16mm Schmalfilm; 1936 als Kleinbildfilm auf den Markt
1936 erscheint der „Agfacolor Neu Mehrschichtenfilm“ als Kleinbildfilm u. Schmalfilm 16mm

Beide Filmtypen konnten sich bis heute behaupten.

Filmaufbau und Entwicklungsprozess der Farbumkehrfilme

Ein grundsätzlicher Exkurs über das fototechnische Verhältnis der Grundfarben der „additiven Farbmischung („Lichtfarben-Mischung“): Rot Grün Blau (RGB)“ zu denen der „substraktiven Farbmischung („Druckfarben-Mischung“): gelb magenta cyan (ymc)“ muss ergänzt werden. (R komplementär c, G-m, B-y. R+G=y: G+B=c; B+R=m. Additive-,  substraktive Filtertechnik Usw.)

Für das funktionierende Prinzip aller farbfotografischen Materialien wird grundsätzlich ein „Emulsions-Sandwich“ benötigt, wobei drei übereinander liegende Fotoschichten jeweils nur für einen Spektrumsdrittel empfindlich sind. In der Emulsion entsteht bei jeder Belichtung ein Dreifarbenauszug (sw). Die oben liegende Fotoschicht ist für blaues Licht  empfindlich, die darunter liegende für grünes, die darunter liegende für rotes. (Im Schichtaufbau befindet sich zwischen der Blau- empfindlichen Schicht und der nächst unteren ein Gelbfilter, da grundsätzlich jede unsensibilisierte Halogensilberfotoschicht vorwiegend für blaues Licht empfindlich ist.)
Die für RGB sensibilisierten Silberhalogenide der drei o.g. Fotoschichten sind an  Farbstoff bildende Substanzen (Farbkuppler) gebunden. So bedarft die für Blau empfindliche Schicht Farbkuppler, die mit einem Oxidationsprodukt des Entwicklers die substraktiv komplementäre Farbe gelb/yellow in der Fotoschicht bildet, Grün empfindlich-magenta, Rot empfindlich-cyan.
Dies ist das Prinzip der chromogenen Entwicklung („Farbstoffbildenden Entwicklung“).

In der Durchsicht/Projektion eines Farbumkehrfilms/ DIAPOSITIVS ergibt sich also durch substraktive Farbmischung der in den drei Schichten gebildeten Farbstoffe ein dem Aufnahmeobjekt entsprechendes Farbbild.

Zwei DIAPOSITIV-Filmtypen

„Kodachrome-Typ“: Dreischichten Farbfilm ohne Farbkuppler, nicht den Silberhalogeniden angelagert, sondern dem Entwickler zugesetzt. Somit keine Zwischenbelichtung (mit weissem Licht) oder chemisches Umkehrbad.

„Agfacolor-Typ“:  Dreischichten Farbfilm mit an die Silberhalogenide angelagerten Farbkupplern.
Zum Entwicklungsprinzip s. nachfolgende Grafik.


Abb.1  COE, Brian: Farbphotographie und ihre Verfahren – Die ersten hundert Jahre in natürlichen Farben. Bindlach, 1986.  ISBN 3-8112-0482-3  S. 134

A Aufnahmeobjekt, bestehend aus roten, gelben, weissen und schwarzen Streifen
B Filmschichten werden entsprechend belichtet
C sw-Entwicklung erzeugt in allen drei Schichten negative Silberbilder
D Ein einziger Farbentwickler erzeugt Silber-und Farbstoffbilder gleichzeitig in allen drei  Schichten mittels der den Silberhalogeniden angelagerten Farbkupplern, in denen die Farbkuppler bereits enthalten sind
E Die negativen und positiven Silberbilder werden heraus gebleicht, so dass in jeder Schicht nur noch die  gebildeten Farbstoffe enthalten sind.

In der Durchsicht/Projektion entsteht ein farbiges, dem Aufnahmegegenstand entsprechendes Bild.