AUDIOKOMPAKTKASSETTE

Einleitung

Das Medienarchiv der HTW beherbergt
 ca. 850 bespielte Audiokompaktkassetten. Hierbei handelt es sich größtenteils um Kopien, der ebenfalls in der Sammlung vorhandenen, Original
-Magnettonbändern. Die Kompaktkassetten sind
 unterrichtsbegleitendes Lehrmaterial und enthalten u.a. verschiedene Sprachkurse
  in  deutsch, englisch, französisch, russisch, spanisch und portugiesisch (Abb.1 u.2).
Die Kassetten sind nach IFBT-Nummern
 sortiert, diese stimmen mit den Nummern der Original-Magnettonbänder überein.

Abb.1) Sprachkassette des „Institutes für Film Bild und Ton“

Abb.2) Sprachkassette des „Institutes für Medien“

Zusätzlich sind ca. 80 zu gleichen Teilen bespielte und unbespielte
 Softwarekassetten vorhanden.  Dies sind Magnetband -  Datenträger,  die Computerprogramme enthalten und
 ausschließlich mit einem speziellen Computer-Kassettenlaufwerk abspielbar sind. Abspielgeräte und Computer die diese Daten verarbeiten können sind nur noch beschränkt vorhanden und werden nicht mehr hergestellt. Weitere Informationen zur DDR-Computertechnologie findet man bei Sammlern und im
 Internet.
(z.B. http://efb-1.de/c_kc87.htm)

Zustandsbeschreibung

Im Medienarchiv, im Keller der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin,
 befinden sich neben Magnetbändern, Film-, Dia- und Folienmaterialien über 850
 Kompaktkassetten (Abb.3) die als Unterrichtsbegleitendes Lehrmaterial  genutzt 
wurden. Sie wurden vermutlich als handliche Kopien von ihren Vorläufern, den
 Magnettonbändern, den Lehrern und Ihren Klassen zur Verfügung gestellt. Die
 Kompaktkassetten lagern in einem kühlen Kellerraum der HTW, in einem langen
 Metallregal bestehend aus vier Fächern mit jeweils vier Böden. Dort sind sie auf den
 oberen zwei Böden offen und teilweise in länglichen Pappschachteln in deren Größe
 mit und ohne Deckel eingereiht. Die Kompaktkassetten beinhalten zum größten Teil
 Fremdsprachenlektionen für Deutsch als Fremdsprache, Englisch, Französisch,
 Russisch,  Spanisch,  Portugiesisch zusätzlich sind auch Themenreihen wie:
“Willkommen in der DDR“ vorhanden. Ein kleiner Teil des Bestandes setzt sich aus
 so genannten Softwarekassetten, für beispielsweise die Fächer „Informatik“ und
 „Elektrotechnik“ zusammen. Diese können ausschließlich für einen Computer mit 
Kassettenlaufwerk genutzt werden. Zu den Software – und Fremdsprachenkassetten
lagern 90 Begleithefte verschiedener Dicke (4 – 66 Seiten) der Größe, DIN A5 im
 Archiv.  Die Softwarekassetten tragen „CH“ -  und die
 Fremdsprachenlektionen „MBH“ - Nummern. Sie sind in Paketen ihrer Nummernfolge nach
sortiert und zum Teil mit einem Gummiband oder Tesafilmstreifen umschlossen
(Abb.4). Die Pakete selbst sind jedoch nicht sortiert, so dass sich z.B. das Paket mit 
der Nummernfolge 1056 – 1070 neben dem Paket mit der Nummernfolge 876 – 893 
befindet. Zum Teil  sind sowohl  Einzelstücke als auch mehrere Pakete einer 
Nummernfolge vorhanden.

Abb.3) Lagerung der Audiokompaktkassetten im HTW-Medienarchiv 1

Abb.4) Kassettenpakete mit Gummibändern abgegrenzt

Zusätzlich zum Kompaktkassetten- und Magnetbandbestand,  lagert  weiteres
 Unterrichtsmaterial in Form von Folien, Dias und Filmrollen im Archiv. Bei dem Versuch, die unterschiedlichen Medien zu kombinieren, wurde festgestellt, dass
 nicht der ganze Magnettonbandbestand auf Kompaktkassetten kopiert wurde und 
verschiedene Sprachlektionen nur unvollständig vorhanden sind. Dennoch kann
 gesagt werden, dass von vereinzelten Themen alle Medien vorhanden sind und
 es lässt sich vermuten, dass diese verschiedenen Medien zusammen verwendet 
wurden.
 Aufgrund des unsortierten Kompaktkassettenbestandes (Abb.5) war jedoch schon die
 Suche  nach  einer  Kombination  aus  Magnettonband  und  dazugehöriger
 Kompaktkassettenkopie, sehr zeitaufwändig, da in allen Fächern des Regals gesucht
 werden musste. Oft war die Suche nach der Kopie vergeblich, da
 sie nicht existierte.

Abb.5) Lagerung der Audiokompaktkassetten im HTW-Medienarchiv 2

Erhaltungswert

Für das Magnettonband waren damals nur bedingt Abspielmöglichkeiten vorhanden.
Vermutlich  wurden  deswegen  erste  Umkopierungen  einiger
 Magnettonbandbespielungen auf das neue, modernere handlichere Medium jener Zeit,
 die Audiokompaktkassette vorgenommen.
 Diese Art von Lehrmaterial wird heute nur noch selten verwendet, da inzwischen die
 Kompaktkassette nicht mehr zeitgemäß ist. Die nötigen Abspielgeräte/Laufwerke
 mussten bereits dem neuern Medium CD- und diese inzwischen dem moderneren
 MP3 weichen. Somit wird es bald auch die Audiokompaktkassette nicht mehr oder 
nur noch vereinzelt geben. Umso wichtiger ist es, dieses interessante und 
informative Material zu erhalten, zu lagern und zu digitalisieren
Der Bestand an Kompaktkassetten ist eine wertvolle Sammlung, weil es den
 Übergang vom professionellen zum privaten Gebrauch bildet. Eine Digitalisierung der
 Audiokompaktkassetten ist dringend notwendig, da in naher Zukunft Abspielgeräte für Audiokassetten nicht mehr produziert werden und ein Signalverlust durch Oxidation und Entmagnetisierung zum Verlust der Informationen auf diesen Datenträgern führen wird. Für die zeitgeschichtliche Dokumentation des Bildungssystems der DDR wäre dies ein großer unnötiger Verlust, zumal sich eine Audiodigitalisierung relativ kostengünstig realisieren läßt.

Aufgabe

In einem ersten Arbeitsschritt sollen die Kompaktkassetten in einer 
Liste mit Titel und Nummerierung erfasst und anschließend nach ihrer Nummernfolge in das Regal einsortiert werden. Dabei soll
 zwischendurch kein Platz für nicht vorhandene Kassetten bzw. fehlende Nummern in
 der Folge gelassen werden, da dies nur ungenau kalkuliert werden könnte und zu
viel Platz in Anspruch nehmen würde. Stattdessen soll nach Hinten heraus Platz
gelassen werden, so kann im Falle des Auffindens eines Paketes mit einer in die
 Folge passenden Nummer, der hintere Teil der Kassetten noch gerückt werden.
 Anschließend soll die erstellte Liste so eingeteilt werden, dass sie der Reihenfolge in
 den Fächern entspricht und man sich so einen guten Überblick über Inhalt und Standort der vorhandene Kompaktkassetten verschaffen kann.
 Von einer ausgesuchten Kompaktkassette soll eine exemplarische Digitalisierung auf CD erfolgen und als Prototyp bei der Entwicklung eines Digitalisierungsworkflows dienen.

Durchführung

Zu Beginn werden die Kompaktkassetten im Regal des Archivs zusammen getragen 
und gezählt. Hierbei werden die Nummernfolgen zweimal verzeichnet, erstens auf
 einer Liste, die zu einem Bestandsverzeichnis geschrieben wird und zweitens auf
 kleine Zettel, die beim darauf folgenden Sortieren, einen schnelleren Überblick auf
 die vorhandenen Pakete und Einzelkassetten im Regal schaffen sollen (Abb.6).

Abb.6) Zettel mit den Nummern der Pakete für eine bessere Übersicht

Nachdem diese Vorbereitung getroffen wurde, kann eine erste Liste für das Sortieren 
erstellt werden. Auf dieser Liste werden nun vorhandene Nummernfolgen ersichtlich.
 Mit Hilfe der Liste kann der Prozess des Ausräumens, der Kompaktkassetten und
 Pakete, aus den Regalfächern begonnen werden. Hierbei wird systematisch
 vorgegangen und von unten und der größten Nummer im Bestand nach oben, zur 
kleinsten bzw. ohne Nummer sortiert und übereinander im Archiv gestapelt (Abb.7).

Abb.7) gestapelte Kompaktkassetten und leere Regalfächer

die Regalfächer werden gesäubert und erweitert, indem dort vorher gelagerte
 Pappkartons in die unteren Regalfächer verstaut werden. Hierbei sind weitere
 Softwarekassetten und dazugehörige Hefte entdeckt worden (Abb.8). Die entdeckten
 Softwarekassetten werden in der Liste verzeichnet und dem Bestand beigefügt.

Abb.8) weitere Softwarekassetten mit zugehörigen Heften

Anschließend kann das Einsortieren in der neuen Reihenfolge begonnen werden.
 Hierbei wird vom oberen Regalfach, an der Wandseite des Archivs, mit den
 Softwarekassetten ohne Nummern angefangen und bis zur Gangseite sortiert. Es
 sind meist 17 Kassetten senkrecht quer, damit Titel und die Nummer lesbar sind, in 
einer Reihe hintereinander angeordnet. Es wird darauf geachtet, dass 7 Reihen in
 einem Regalfach entstehen können. Insgesamt stehen 8 Regalfächer zur Verfügung.
 Nachdem die oberen Fächer mit Kompaktkassetten befüllt sind, wird das gleiche 
Sortiersystem in den unteren Regalfächern,  beginnend von der Wandseite,
fortgesetzt (Abb.9).

Abb.9) v.r.n.l.: aktuelles Lagersystem im Medienarchiv der HTW – Berlin

Nachdem diese praktische Phase abgeschlossen ist, kann mit dem Erstellen einer
 zweiten Liste begonnen werden. Diese Liste stellt die voraussichtliche „Endliste“ für
 den Kassettenbestand im Archiv dar. Es wird daher auf Vollständigkeit und
 Genauigkeit in dieser endgültigen Version geachtet. Die Liste wird auf die Fächer
 aufgeteilt, ausgedruckt und jeweils zu den Fächern bzw. Kassettenreihen gelegt
(Abb.10), da eine Befestigung derer zu diesem Zeitpunkt noch nicht möglich ist.

Abb.10) korrekte Liste mit allen Angaben auf Regalfächer verteilt

Die Digitalisierung einer Kompaktkassette aus dem Bestand des Archivs der HTW -
Berlin wird am 3.Dezember 2009 im „Cedis“ in einem Raum der Freien Universität
Berlin (FU – Berlin) stattfinden. Hierzu wurde die zuständige Person kontaktiert und 
der Termin vereinbart. Der Inhalt des Magnetbandes der Kompaktkassette wird dort
 auf  eine CD gebracht  und gebrannt.  Es sollte dabei  auf  ein richtiges
 Aufnahmeformat, eine korrekte Samplefrequenz und Bitrate sowie den richtigen
 Eingangspegel geachtet werden. Es kann theoretisch so lang digitalisiert werden, wie
 Speicherplatz vorhanden ist. So können auf eine Daten CD = 780 MB, auf eine DVD
= 4,2 und 8 GB und auf eine Audio CD = maximal 74 bis 80 Minuten, je nach CD -
Rohling und Brenner, aufgenommen und gespeichert werden. Im Raum für
 Digitalisierung an der FU – Berlin, ist es möglich an vier Kassetten gleichzeitig zu
arbeiten. 
Daten auf dem Medium, „CD“ zu speichern ist heutzutage gebräuchlicher als auf eine
 Kompaktkassette und soll nach der Anfertigung mit in den Archivbestand der HTW -
Berlin aufgenommen werden.
 Voraussichtlich soll die Kompaktkassette „English for Adult Beginners“ (Abb.11) an der
 FU – Berlin als erste Kompaktkassette aus dem Bestand digitalisiert werden. Sie
 wurde ausgewählt, da ihr Titel zu einer Serie gehört von der alle Materialien, wie der
 Vorgänger, das Magnetband, Hefte, Folien und Dias, vorhanden sind. Eine
 Digitalisierung dieses Titels würde die Serie komplettieren und kann als erste
Digitalisierungsprobe angesehen werden.

Abb.11) die zu digitalisierende Kompaktkassette

Empfehlung der Aufbewahrung

Die Kompaktkassetten wurden in diesem Prozess der Archivierung ausschließlich 
aufgenommen und sortiert. Eine bessere Aufbewahrungsmöglichkeit kann hierbei nur 
empfohlen werden. Es ist vorteilhaft, die Kassettenanordnung ähnlich übersichtlich, 
wie jetzt zu halten, jedoch ist die Lagerung der Kompaktkassetten in einem 1m bis
 ca. 1,30m hohen geschlossenen Grafikschrank von etwa 1m Breite und ca. 70cm
Tiefe. Die Schubfächer sollten ungefähr 5cm höher sein als die Kompaktkassetten
 selbst.  Sie sollten darin in einer  Abgrenzung von Zwischenlagen aus
 Archivkartonmaterial stehend und die breite Seite senkrecht gelagert werden. In dieser Position sollten Nummer und Titel gut lesbar sein und die Kompaktkassetten
 hintereinander aufgereiht werden (Abb.12).
 Es sollte jedoch darauf geachtet werden in der Nähe der Kompaktkassetten keine
 magnetischen Felder entstehen zu lassen, da diese das Signal auf dem Band
beeinträchtigen könnten. Die Kompaktkassetten sollten an einem sauberen Platz, bei
 stetig kühler und trockener Umgebung gelagert werden.

Abb.12) Entwurf eines Grafikschrankes für das Archiv der HTW – Berlin