FILMBEFUNDUNG

Um den besten Weg der weiteren Benutzung/Archivierung für eine Filmkopie bestimmen zu können, muss diese, wie jedes Objekt, in seinem Zustand dokumentiert bzw. befundet werdet. Das bedeutet, die Kopie muss in ihrem optischen, mechanischen, akustischen, chemischen, biologischen & physikalischen Eigenschaften überprüft, skizziert und dokumentiert werden.

Durch die Befundung wird der Zustand des Films festgehalten und der bestmögliche Weg/Gebrauch für ihn bestimmt. Zum Beispiel kann so beim Vorhandensein von mehreren Kopien eines Filmes eingeschätzt werden, welche zur Vorführung oder Kopierung am besten geeignet wäre.

Die Filme im Medienarchiv der HTW müssen befundet werden, um ihren Zustand zu erfassen und sie dann womöglich dem Bundesfilmarchiv zu übergeben, da dort bessere klimatische Bedingungen für eine adäquate Langzeitarchivierung herrschen.

Befundet und dokumentiert werden verschiedene Faktoren des Films: Filmografische Daten, Eigenschaften wie Material, Länge, Bild- und Tonformat und der gegenwärtige Zustand des Films.

Ziel ist es eine Maske für einen Befundbericht zu erstellen, welche mit den Beständen im Medienarchiv und der dazugehörigen Datenbank Hand in Hand geht und auch von Dritten problemlos nachvollzogen werden kann.

1. Das Erstellen eines Befundberichts

Beim Erstellen eines Befundberichts, der sich auf jede Kopie im Archiv anwenden lässt, ist es wichtig den Weg nachzuvollziehen den die Kopie bei der Befundung geht und welche Schrittfolge dabei am sinnvollsten wäre.

Schon beim Gang ins Archiv sollten Regalposition und THF-Nummer auf dem Befundbogen notiert werden.

1.1 Der erste Eindruck

Wenn die Kopie dann im Bearbeitungsraum ist und die Büchse geöffnet wird, können erste Aussagen über die Kopie getroffen werden: Trägermaterial, Farbmaterial, S/W Material, Ton, Materialformat, Titel, Aktanzahl, Informationen die auf der Büchse zu finden sind und auch über den mechanischen, chemischen und biologischen Zustand der Kopie, wie zum Beispiel: Geruch, Wicklung, Klebestellen, Verformung des Filmmaterials (gewellt, gewölbt), Schimmelpilzbefall oder Feuchtigkeitsschäden.

2. Am Umrolltisch

Bevor der Film dann zur Sichtung auf den Schneidetisch kommt, sollte er zuerst einmal am Umrolltisch betrachtet werden, denn viele Eigenschaften der Kopie können schon hier bestimmt werden.

Ein weiterer Vorteil ist die Früherkennung von Filmschäden (z.B. eingerissene Perforation, mangelhafte Klebestellen) die auf dem Schneidetisch zur weiteren Beschädigung des Filmmaterials führen könnten und somit rechtzeitig behoben werden.

2.1 Mechanische Schäden

Folgende Merkmale und/oder Mängel können schon am Umrolltisch festgestellt werden:

Perforationsschäden:

  • angeschlagen
  • eingerissen
  • ausgeschnitten
  • geknickt
  • verformt
  • gerädert
  • zerkratzt
  • zerrissen
  • verformt
  • ausgezackt

Filmkanten:

  • gestanzt
  • aufgerauht
  • geschnitten
  • ausgebessert
  • Kniffe/Knicke

Filmverformung:

  • geschrumpft
  • gewellt
  • Knicke
  • gewölbt

Hierbei ist zu beachten, dass die Schrumpfung des Filmmaterials bei jeder Befundung/Kontrolle/Durchsicht gemessen und dokumentiert werden muss, um Schäden durch Zahnkränze, an Schneide- & Umrolltischen, als auch Projektoren zu vermeiden.

2.2 Oberflächenmängel:

  • Schichtablösungen
  • Fingerabdrücke
  • Wasserflecke
  • Trockenflecke
  • Schmorstellen
  • Stockflecken
  • Schimmel- & Pilzbefall
  • verölt
  • Klebereste
  • Feuchtigkeitsschäden
  • Noppenabdrücke
  • Dreck und Stäube
  • Silberspiegel

Weitere wichtige Punkte auf die bei der Kontrolle und Befundung am Umrolltisch geachtet werden muss sind mangelhafte Nass- und Trockenklebestellen, fehlerhafte Überblendungszeichen und das Vorhandensein und die richtige Länge der Start- und Endbänder.

2.3 Das Beheben von Mängeln

Falls bei der Durchsicht am Umrolltisch Schäden und Mängel festgestellt werden, die bei Vorführung oder Sichten am Schneidetisch Folgeschäden mit sich ziehen, sollten diese, falls möglich, sofort behoben werden.

Dies könnten sein: mangelhafte Klebestellen, Klebereste, Schrumpfung(kann nicht behoben werden) und eine eingerissene und zerrissene Perforation.

Mithilfe folgender Arbeitsgeräte und Hilfsmittel können solche Schäden behoben und der Film gesichtet und befundet werden:
Doppelsichtungstisch

3. Der Schneidetisch

Nach der Durchsicht am Umrolltisch und der Ausbesserung von folgenschweren Schäden kann die Kopie nun am Schneidetisch gesichtet werden.

Zu beachten ist hierbei, dass der Film auf „Anfang” liegt und sich die Filmschicht „Außen” befindet.

Hier können nun weitere Angaben zur Kopie gemacht werden, wie Sprachfassung (Untertitel, Kommentar),

Projektionsformat und Bildfrequenz und die Länge jedes einzelnen Akts, welche am Schneidetisch gemessen werden kann.

3.1 Fotografische Mängel und Tonmängel

Bei der Befundung am Schneidetisch muss man nun auf andere Merkmale und Schäden der Kopie achten, insbesondere handelt es sich hierbei um fotografische und akustische Charakteristika.

Zu den fotografischen Beurteilungskriterien gehören:

  • Farbgleichgewicht
  • Gradation
  • Schärfe
  • Bildstand
  • Bildstrich
  • Körnigkeit
  • Bilddichte

Fotografische Mängel könnten sein:

  • Schleier
  • Unschärfen
  • Farbveränderungen
  • Fehlschaltungen
  • Bildflackern
  • Bildsprünge
  • unruhiger Bildstand
  • Perforationsschatten
  • mehrfach kopierter Bildstrich
  • fehlerhafte Gradation

Tonmängel könnten sein:

  • Tonspurpendeln
  • Tonschleimfehler
  • Pegelschwankungen
  • Verzerrungen
  • Rauschen
  • Knackser/Kracher
  • Asynchronität
  • Tonsprünge
  • Prasseln

3.2 Kratzer und Schrammen

Weiterhin spielen jedoch mechanische Filmschäden und Mängel eine große Rolle, die am Schneidetisch besonders auffällig werden. Hierbei handelt es sich um Kratzer und Schrammen, die die optischen Qualitäten einer Kopie stark beeinflussen.

Zu unterscheiden sind hier Kratzer und Schrammen auf der Blankseite und der Schichtseite des Films.

Nach der DIN 15581 gibt es:

Laufschrammen, Querschrammen, Schrägschrammen, Sprungschrammen, Film verregnet, Film verregnet

3.3 Filmografie

Am Schneidetisch können nun auch alle filmografischen Daten ( Regie, Produktion, Produktionsjahr, Drehbuch, Darsteller, Kamera, Schnitt, etc. ) ,soweit sie als Titel im Film oder auf der Büchse vorhanden sind, angegeben und der Inhalt des Films kurz erläutert werden.

Nach der Sichtung am Schneidetisch sollte ein spezielles PH-Papier(Indikator) in die befundete Filmdose gelegt werden, um genaue Angaben über den Stand des Vinegar-Syndroms zu erhalten und wenn nötig die erforderten Maßnahmen zu treffen.

4. Befundbericht und Datenbank

All diese Informationen sollten bei der Sichtung und Befundung der Kopie auf dem Befundzettel notiert werden, damit sie später in die Datenbank eingepflegt werden können.

Aus diesem Grund sollte ein Befundzettel erstellt werden, dessen Homogenität gegenüber der Datenbank es einfacher macht die gewonnen Informationen leichter in diese einzugeben.