ARCHIVIERUNG DER DIGITALISATE

Für die Archivierung von digitalen Referenzkopien muss wie für ihre Ausgangsmaterialien eine Systematik erarbeitet werden, die einen unkomplizierten und schnellen Zugriff gewährleistet. Hierzu zählen die systematische Nummerierung und das Einlagern in beschrifteten Regalsystemen sowie die Eingabe in eine Datenbank. Diese Aspekte wurden bereits in anderen Kapiteln für die Archvierung der Originalmaterialien beschrieben. Weitere Informationen dazu gibt es hier (Link)

Die Anfälligkeit von digitalen Speichermedien ist ein Faktor, der bei der Archivierung von digitalen Dateien berücksichtigt werden muss. Anders als bei analogen Filmmaterialien, wo auch bei teilweiser Beschädigung die Bildinformation zumindest noch bruchstückhaft erhalten bleibt und somit auch rekonstruiert werden kann, bedeutet die Beschädigung oder der Ausfall einer Festplatte meistens den Totalverlust der auf ihr gespeicherten Informationen.

Deshalb sollten digitale Referenzkopien, zumindest so lange sie die einzige digitale Version des analogen Ausgangsmaterials darstellen, in mehreren Kopien auf verschiedenen Festplatten an unterschiedlichen Orten aufbewahrt werden. Wünschenswert wären drei Kopien an drei Orten. Falls es zu Notfällen oder Katastrophen wie Feuer, Überflutungen oder auch zu einem Diebstahl kommen sollte, kann dann auf die anderen Kopien zurückgegriffen werden, ohne das Originalmaterial erneut abtasten zu müssen. Liegen höher aufgelöste Abtastungen für die Langzeitarchivierung vor, gelten diese Regeln für diese Kopien in gleichem Maße.

Aufbewahrung von externen Festplatten

Es konnten keine Standards für die archivgerechte Aufbewahrung von Festplatten gefunden werden. Als generelle Richtwerte können Angaben aus der Gebrauchsanweisung der Festplatte benutzt werden, die für die Speicherung des exemplarisch abgetasteten Films „Textverarbeitung“ benutzt wurde. Es handelt sich um die LaCie Desktop Hard Disc 500 GB Hi-Speed USB 2.0.

Das Stapeln von mehr als zwei LaCie Desktop Hard Discs sollte vermieden werden. Das Laufwerk soll keinen Temperaturen von 35°C ausgesetzt werden, sind zwei Hard Discs übereinander gestapelt, sollen 30°C nicht überschritten werden. Der Kontakt mit Flüssigkeiten muss vermieden werden. Außerdem sollte immer nur das mit der Festplatte gelieferte Netzteil verwendet werden, um eine unkorrekte Stromspannung zu vermeiden, die zu einer Beschädigung der Festplatte führen könnte.[1]

Es wurden keine Empfehlungen zur relativen Luftfeuchtigkeit gefunden.

Generell sollten alle auf Festplatten gespeicherten Daten in einem festgelegten Zeitabstand auf neue Festplatten umkopiert werden, wobei eine Zeitspanne von 3-5 Jahren für angemessen erscheint. Allerdings können Festplatten auch schon nach kürzerer Zeit ihren Dienst verweigern wobei im schlimmsten Fall alle darauf gespeicherten Daten verloren gehen können. Die ausschließliche Speicherung von Daten auf Festplatten birgt somit immer ein gewisses Risiko in sich.

Archivierung von Videobändern auf PET-Trägern

Digitale Referenzkopien können auch auf Videobändern gespeichert werden. Für Videobänder konnten Richtwerte für eine archivgerechte Aufbewahrung ermittelt werden.

Temperatur

Videobänder sollten unterhalb von 22°C aufbewahrt werden, die Temperatur von 8°C sollte nicht unterschritten werden.[2] 8°C stellt darüber hinaus die Temperatur für eine ideale Langzeitarchivierung dar, wobei Temperaturschwankungen von ±2ºC in 24 Stunden[3] nicht überschritten werden sollten. Laut ANSI-Standards[4] wird die Lebensdauer durch niedrige Temperaturen verlängert.

Generell gilt, dass geringe Temperaturen den Kopiereffekt, Hydrolyseprozesse, den Verlust von Weichmachern und andere Alterungsprozesse verringern.

Die relative Luftfeuchtigkeit rH sollte bei 25% liegen[5] und sollte innerhalb von 24 Stunden nicht mehr als 5% schwanken[6]. Bei höherer rH ab 65% kann es zu Schimmelwachstum kommen[7], ab 85% rH bei mehr als 55°C können Wickel miteinander verkleben[8].

Außerdem kann es zu einer Schädigung von Videoband und der Hülle durch UV-Strahlung kommen. Direktes Sonnenlicht ist deshalb absolut zu vermeiden. Videobänder sollten darüber hinaus immer in Hüllen, am besten aus inertem PET-Kunststoff, aufbewahrt werden[9].


[1] LaCie Gebrauchsanweisung, 2007

[2] WHEELER, J.: Video Preservation Handbook, 2002, (http://www.amianet.org/publication/resources/guidelines/wheeler/video.pdf, Stand April 2008), S. 8.

[3] WEISSER, A.: Audio- und Videobänder: Geschichte, Aufbau und Archivierung, Freiburg, 2003, Absatz 4.1.

[4] www.vidipax.com (ANSI: American National Standart Institute)

[5] WHEELER, J.: Video Preservation Handbook, 2002, S.8 (http://www.amianet.org/resources/guides/WheelerVideo.pdf, Stand 12.9.2009)

[6] WEISSER, A.: Audio- und Videobänder: Geschichte, Aufbau und Archivierung, Freiburg, 2003, Absatz 4.1.

[7] AMIA 2003, Fact Sheet 8, (http://www.amianet.org/resources/guides/fact-sheets.pdf, Stand 12.9.2009)

[8] WELZ, G.: On the Problem of Storing Videotapes, in: Archiving the Audiovisual Heritage, A Joint Technical Symposium, Berlin 20.-22.5.1987, Berlin/Bonn, 1988, S. 65.

[9] AMIA 2003, Fact Sheet 8, (http://www.amianet.org/resources/guides/fact-sheets.pdf, Stand 12.9.2009)