SYSTEM- UND FORMATFRAGEN

Bei der Überspielung von digitalen Daten auf externe Festplatten können ebenfalls Probleme auftreten. Vor allem das Wechseln der für die Weiterbearbeitung verwendeten Betriebssysteme kann dazu führen, dass die Daten zwar vorhanden, von dem Betriebssystem aber nicht erkannt oder nicht ausgelesen werden können.

Ein konkretes Beispiel soll anhand der Abtastung des Films “Textverarbeitung” erläutert werden. Für die Übertragung der Daten wurde eine sowohl für Mac als auch Windows kompatible Festplatte gekauft, der LaCie Desktop Hard Disc 500 GB Hi-Speed USB 2.0, in der Annahme, dass eine Übertragung der Daten problemlos möglich sein würde. Die Firma Screenshot hat die Datei in Mac-Umgebung auf die Festplatte gespielt. Die in der HTW Berlin für die Bearbeitung vorgesehenen Computer laufen jedoch unter Windows Betriebssystemen. Eine Überspielung war wieder Erwarten nicht ohne weiteres möglich.

Obwohl die Festplatte für beide Systeme tauglich ist, wird sie je nach Betriebssystem konfiguriert. Wird also eine Datei in einer Mac-Umgebung aufgespielt, wird die Festplatte automatisch für Mac formatiert. Will man die Datei nun auf einen Computer mit Windows Betriebssystem übertragen, kann der Windows-Rechner zwar die Festplatte erkennen, die darauf enthaltenen Dateien aber nicht auslesen, da die Festplatte wie gesagt für Mac formatiert ist. Andersherum besteht das gleiche Problem. Wenn also Festplatten sowohl für Mac als auch für Windows verwendbar sind, heißt das im Umkehrschluss nicht, dass Dateien zwischen den beiden Systemen via dieser Festplatte ohne weiteres verschoben werden können.

Das Problem konnte mit Hilfe eines Software Programms gelöst werden, welches es den jeweiligen Betriebssystemen erlaubt, Daten des jeweils anderen Betriebssystems auszulesen. Das in diesem Fall verwendete Programm war das NTFS für Mac OS X 7.0 der Firma Paragon Software Group[1], welches auf ein MacBook mit dem Betriebssystem Mac OS X Version 10.5.7 aufgespielt wurde.

Die auf der LACie Festplatte enthaltenen Dateien der Filmabtastung (Mac-Format) wurden auf das MacBook kopiert. Danach wurde die LaCie Festplatte mit einem Windows-Rechner verbunden und somit auf Windows formatiert. Im Anschluss wurde die Festplatte erneut mit dem MacBook verbunden, das mit Hilfe der NTFS Software nun die Windows-formatierte Festplatte auslesen kann und diese nicht mehr umformatieren muss. Nun konnten die Dateien des abgetasteten Films vom MacBook auf die Windows-formatierte Festplatte übertragen werden und danach auf die Windows-Rechner der HTW kopiert werden.

Ein weiteres Problem kann die Verwendung unterschiedlicher Codecs darstellen. „Ein Codec ist ein Kompressionsalgorithmus für Videodaten wie z.B. MPEG2, DV oder H.264. Prinzipiell unterscheidet man zwischen Inter- und Intraframe-Codecs.“[2] (Siehe auch Punkt 2.3 Intraframe vs. Interframe). Um eine Übertragung von digitalen Daten von einen in einen anderen Codec zu ermöglichen, muss eine Transkodierung erfolgen. Die Transkodierung ist eine in der Regel verlustbehaftete Umwandlung einer digitalen Video- oder Audiodatei in ein anderes Format, zum Beispiel vom Quellformat MPEG-2 ins Zielformat MPEG-4 (Videokompression). Um eine Transkodierung durchführen und somit eine Kompatibilität herstellen zu können, wird eine bestimmte Software benötigt, so zum Beispiel MEncoder oder Quicktime Pro.

[1] http://www.paragon-software.com/de/home/ntfs-mac/, 1.8.2009, 13h25

[2] HAHN, Philipp, Mit High Definition ins digitale Kino, Marburg, 2005, S. 108

Und welche Formate machen Sinn?

Ausgehend von den bisher angestellten Überlegungen kann festgehalten werden, dass für das Erstellen einer digitalen Referenzkopie auf einer Festplatte das MPEG2 oder ein komprimiertes AVI-File am besten geeignet scheinen. Gründe hierfür sind eine relativ gute Bildqualität und die Möglichkeit alle Filmbilder einzeln als Standbild betrachten und analysieren zu können.

Bei der vorliegenden unkomprimierten Abtastung „Textverarbeitung“ im AVI-Format (16,86GB) wäre eine Festplatte mit circa 30 GB ausreichend.

MPEG2 wird für das Erstellen von DVDs verwendet.

Ein komprimiertes AVI-File würde ebenfalls auf eine DVD passen.

Um die digitale Referenzkopie im Internet zum Streaming bereit zu stellen, bieten sich sowohl MPEG1, MP4 als auch FLV (Flash Video) an. Für den Download scheinen komprimierte AVI-Files eine gute Wahl zu sein. Hierbei muss beachtet werden, dass eine gute Bild- und Tonqualität beim Streaming von einer leistungsstarken und schnellen Internet-Verbindung abhängt. Empfehlenswert ist zumindest eine DSL2000-Verbindung, eine noch schnellere Verbindung wäre aber von Vorteil.

Aufgrund der bisher angestellten Überlegungen und unter Berücksichtigung der Kosten scheint die Herstellung eines komprimierten DV AVI-Typ 1-Files im Moment die beste Variante für die Anfertigung einer digitalen Rferenzkopie zu sein. Der DV-AVI-Typ 1 hat den Vorteil, dass das Audio im Video „embedded“ ist und somit die Synchronität von Ton und Bild gewährleistet ist. Mit dem Fortschritt der Technologie und den damit verbundenen sinkenden Kosten für Digitalisierung und Speicherung könnte es allerdings schon bald mehr Sinn machen in einem höher auflösenden Format abzutasten, wie zum Beispiel HD oder 2k.

1 Stunde Video 12,6 GB

10.000 min = ca. 166 Std x 12,6 GB = 2.091,6 GB = 2 TB

Rechnung mit dem komprimierten DV AVI-File „Textverarbeitung“ mit 11 Minuten Länge:

Größe: 2,29 GB (2.463.723.836 Bytes)

Größe auf Datenträger: 2.463.727.616 Bytes

Hochgerechnet auf 60 Minuten ergeben das rund 12, 5GB. Das heißt, bei 650 Titeln à 15 Minuten werden im komprimierten DV AVI Format gut 2 TB für alle Filmtitel des Medienarchivs benötigt.

Für das Speichern einer digitalen Referenzkopie auf Videoband bieten sich Digital Beta und miniDV an.