Bild- und Netzfrequenz

Die Bildfrequenz für Film ist etwa seit Einführung des Tonfilms auf 24 B/s genormt.

Weil 24 Hell-Dunkel-Eindrücke pro Sekunde ein Projektionsbild erzeugen würden, das flimmert, muss die Umlaufblende jedes Bild zweimal abdecken, d. h. man sieht jedes Filmbild zweimal (und sitzt ungefähr die Hälfte der Zeit im Dunkeln.) So ist eine flimmerfreie Frequenz von 48 Hz erreicht.

Fernsehen und Video sind abhängig von der Netzfrequenz, die in europäischen Ländern 50Hz beträgt. Deshalb verwendet man 25 Hz als Bildfrequenz. Mit dem Zeilensprungverfahren (siehe Standards für digitalen Film, SD) erreicht man 50 Halbbilder pro Sekunde.

Fernsehen zeigt, weil es 24 Bilder nicht störungsfrei übertragen kann, mit 24 Bildern gedrehte Filme mit 25 Bildern. Das bedeutet eine Laufzeitverkürzung von 4, 16 %. Ein Film von 100 min Länge ist dann also schon nach 96 min zu Ende.

Wie jeder weiß, der schon einmal ein Magnetband oder eine Schallplatte zu schnell abgespielt hat, wirkt sich das auf die Tonhöhe aus. Bei dem geringen Unterschied von 4,16% nimmt man dies meist nicht wahr. Musikalische Menschen bemerken es eher, der Tonhöhenunterschied entspricht etwa einem Halbton.

So handhabt es das Fernsehen bei uns schon lange, und kaum jemand hat es bemerkt. Es gibt heute auch die Möglichkeit, die Tonhöhenanhebung digital zu korrigieren („timestretching” bzw. „pitch shifting“), d. h. den Ton in der richtigen Tonhöhe wiederzugeben, während die Laufzeitverkürzung bleibt.[1]

In manchen Ländern geht das nicht so einfach. Kanada, Japan, Mexiko und die USA haben eine Netzfrequenz von 60 Hz. Die verwendete Bildfrequenz ist 30 bzw. 29,97 Hz. Mit 30 Bildern kann man einen 24-Bilder-Film nicht abspielen, ohne dass es auffallen würde. Deshalb müssen pro Sekunde 6/25 Sekunden oder 12 Halbbilder unauffällig zusätzlich geschaffen werden, um die Laufzeit (und Tonhöhe) zu erhalten. Dies wird erreicht, indem die Filmbilder abwechselnd 2 mal und 3mal abgetastet werden (Man nennt das 3:2-Pulldown).

Diese Möglichkeit, durch Hybridbilder die Geschwindigkeit beizubehalten, gibt es auch für PAL bzw. für 25 B-Technik. Dazu wird jedes 12. Filmbild dreimal abgetastet, während alle anderen zweimal abgetastet und dann „interlaced“ wiedergegeben werden.

Die Anpassung von 24 auf 25 Bilder und umgekehrt bringt weitere Probleme, zum Beispiel durch Verschiebung der Tonsynchronität bei der digitalen Bearbeitung.

Manche Filme (35 und 16 mm) sind auch mit 25 Bildern aufgenommen beziehungsweise ausbelichtet: Solche, die für das Fernsehen gedreht sind. Und solche, die mit 25 Bilder-Videotechnik aufgenommen und dann ohne Umrechnung 1:1 auf Film ausbelichtet wurden.

Siehe zu diesem Thema auch den Punkt “Flimmerfrequenz“.

Was bedeutet dies konkret in unserem Fall?

Die digitale Version des Films „Textverarbeitung“ läuft mit 25 Bildern. Die Laufzeit hat sich von 10 min 53 sec auf 10 min 27 sec, also um 26 Sekunden verkürzt. Der Film hat hat 96 % der Originallaufzeit). Bilder hat er genauso viele wie das Original. Es wurde „progressiv“ abgetastet.

In Deutschland hatte man bereits um 1940 in Erwägung gezogen, die Norm für Kinofilme auf 25 Bilder/sec zu erhöhen, unter anderem weil man Wert auf die Kompatibilität zwischen Film und Fernsehen legte. Die 24-Bilder-Norm brachte für Kino (und Amateure) auch den Nachteil, dass bestimmte Projektionslampen nur mit Gleichstrom betrieben werden konnten, um den unangenehmen Effekt von so genannten Schwebungen zu vermeiden. Diese entstehen bei Lampenbetrieb mit Wechselstrom durch die Frequenzüberlagerungen (24 bzw. 48 und 50 Hz) und sind bei den im Kino verwendeten Lampen sichtbar. (Deshalb also die großen, schweren und teuren Gleichrichter im Kino.)

Eine Änderung der längst etablierten Kino-Norm von 24 Bildern auf 25 Bilder hätte aber nicht jenen Ländern geholfen, deren Netzfrequenz 60 Hz beträgt.

In den USA wiederum diskutierte man über eine Normänderung auf 30 Bilder/Sekunde.[2] Jedenfalls sprachen wohl wirtschaftliche Gründe (4% mehr Materialverbrauch bei 25 gegenüber 24 Bildern) dagegen, so dass es bei 24 Bildern blieb.

Heute beginnt sich die digitale Kameratechnik und Filmbearbeitungssoftware an den 24 Bilder-Standard des Kinos anzupassen bzw. kompatibel zu sein. (Moderne Kameras bieten auch die Möglichkeit, mit weit höheren Bildfrequenzen aufzunehmen, was für schnelle Bewegungen oft erwünscht ist.)


[1] Auch mit analoger Technik war dies mit „Magnetton-Laufzeitreglern“ bereits in den 1950er Jahren möglich. Siehe (o. A.): Magnetton-Laufzeitregler. In Filmtechnikum, Heft 12/1957, S. 386.

[2] O. A.: 30 Bildwechsel pro Sekunde vorgeschlagen. In Filmtechnikum, Heft 8/1957, S. 283.