INSTITUT FÜR FILM, BILD UND TON

Das „Institut für Film, Bild und Ton“ (IFBT) war in der ehemaligen DDR von 1964 – 1990 für die Erstellung von audiovisuellen Lehrmitteln für Hochschulen und andere wissenschaftliche Institutionen zuständigund und ist heute Teil des HTW-Medienarchivs.

Vorgeschichte

Die deutsche Lehrfilm- bzw. Lehrbildtradition wurde 1934 durch die „Reichsanstalt für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht“ (RWU) begründet. Diese löste sich nach dem 2. Weltkrieg auf. In den Besatzungszonen gründeten sich in ihrer Nachfolge verschiedene neue Institute wie beispielsweise das “Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht” (FWU) in München oder das“Institut für den Wissenschaftlichen Film” (IWF) in Göttingen.

In der sowjetischen Besatzungszone wurde das Bildstellenwesen zentral von dem 1950 gegründeten „Zentralinstitut für Film und Bild in Unterricht, Erziehung und Wissenschaft“ (ZFB) geleitet.

Das IFBT von 1964-1990

Die innerhalb des ZFB geschaffene Abteilung für Hochschulfilm entwickelte sich 1964 zum selbständigen „Institut für Film, Bild und Ton“. Die Aufgabe des Instituts war die kostenlose Versorgung der dem „Ministerium für Hoch – und Fachschulwesen“ zugeteilten Einrichtungen mit lehrplangerechten, audiovisuellen Lehrmitteln. 1974 erhielt das IFBT eine eigene Produktionsstätte in Wismar in der über hundert Mitarbeiter Dia- und Folienreihen sowie Trickfilme mit hohem grafischen Aufwand herstellten.

Bei der Herstellung der Filme hatte das Institut hochrangige Partner. Die Wissenschafts- und Lehrfilme wurden z.B. beim Defa-Studio für populärwissenschaftlichen Film in Auftrag gegeben, andere Filme entstanden in Koproduktion mit den Film- und Bildstellen der Universitäten, den Medizinischen Akademien (z.B. Filmstudio der Charité) und anderen wissenschaftlichen Einrichtungen (Zeiss-Jena, Akademie der Wissenschaften).

Die Film, Dia, Folien und Audiomedien konzentrierten sich hierbei auf folgende Lehrbereiche:

• Chemie
• Physik
• Mathematik
• Biologie
• Medizin/Stomatologie
• Elektrotechnik/Elektronik
• Maschinenbau
• Marxismus & Leninismus
• Wirtschaftswissenschaften
• Sprachausbildung in: Englisch, Französich, Russisch, Portugiesisch, Spanisch sowie Deutsch als Fremdsprache

Jährlich wurden ca. 250 neue Titel herausgegeben, darunter durchschnittlich 25 Lehrfilme und 50 Tonbandreihen. Nach heutiger Schätzung geht man von ca. 1000 Lehrfilmen aus, die von der IFBT produziert wurden aus.

Das IFBT von 1990 bis heute

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands 1990 kündigte das Institut wegen unklarer Zukunftslage am 18.09.1990 den Vertrag mit dem “Deutschen Fernsehfunk”. Im Januar 1991 erhält Prof. Dr. Ludwig Issing von der Freien Universität Berlin vom Berliner Senat eine Vollmacht über die Verwendung des Mobilars, der Geräte und des Archivs(….) so lange, bis an anderer Stelle eine Entscheidung über die Weiterführung der Aufgaben des Instituts gefallen ist”. Diese Vollmacht bezog sich auf die “Verwahrung der sachlichen Werte des IFBT durch die FU Berlin”.

Im März 1991 sollte ein Zusammenschluss des IFBT mit dem IWF Göttingen erfolgen. Die offizielle Bezeichnung ist zu diesem Zeitpunkt. “Abwicklungsstelle des ehemaligen IFBT bei der gemeinsamen Einrichtung der Länder”. Anscheinend votierten jedoch die Kultusminister der neuen Bundesländer gegen die Aufnahme des IFBT-Nachlasses in die “Blaue Liste” der zu fördernden Institute und gegen den Zusammenschluss mit dem IWF Göttingen. Die Treuhänderschaft des IFBT lag zu dieser Zeit in den Händen des Berliner Senats.

1991 gründeten Prof. Dr. Issing von der FU-Berlin und Dr. Lechenauer der Technischen Universität  Berlin das IMAW (Institut für Medien in der Aus- und Weiterbildung GmbH) und schufen damit die Grundlage für den Überlassungsvertrag des Landes Berlin mit dem IMAW, der am 7.5.1991 in Kraft trat. Mobilar, Geräte, Fahrzeuge und das Archiv einschließlich der Verwertungsrechte gingen aus dem in Abwicklung befindlichen IFBT in die Hände des IMAW über. Eine Schlussbestimmung regelte, dass bei Auflösung des IMAW die verwertbaren Bestände an die FU Berlin übergehen. Am 12.12.1991 wurden Büro- und Lagerräume der FHTW im Aristotelssteig an das IMAW überführt. Im selben Jahr wurden das Negativmaterial der Lehrfilme in das Bundesarchiv-Filmarchiv ausgelagert. Ein in Auftrag gegebenes Rechtsgutachten ergab, laut Dr. Lerchenauer, dass die Rechte des IFBT-Bestandes jetzt beim IMAW lagen.

Da das IMAW sich weder als Verwerter der Archivmaterialien noch als Produzent neuer edukativer Konzepte etablieren konnte wurde die Tätigkeiten mit dem Auslaufen der ABM Maßnamen im Oktober 1993 stark eingeschränkt. Die Aktivitäten des IMAW gingen noch bis 1997 weiter, beschränkten sich jedoch auf die Abwicklung bestehender Verträge mit Verlagen und den Vertrieb von Medien. Nachdem sämtliche Tätigkeiten eingestellt wurden, ging das IMAW 1997 in Liquidation. Da bei der FU Berlin kein Interesse an den IFBT-Materialien bestand vermittelten Prof. Dr. Issing und Dr. Lechenauer die Bestände 1997 an die FHTW.

Der Überlassungsvertrag mit der FHTW trat am 18.12.2000 in Kraft. Der damalige Verantwortliche Prof. Dr. Sieck nutzte den Bestand zunächst für Digitalisierungs- und Streamingübungen.

Mit der Besetzung der Professur “Konservierung und Restaurierung/Grabungtechnik audiovisuelles und fotografisches Kulturgut” im Jahr 2003 durch Prof. Martin Koerber wurde ihm auch die Übernahme der Archivbestände für den Studiengang von Prof. Dr. Sieck angeboten.

Seit 2003 entwickeln die Studenten des Studiengangs Restaurierung von audiovisuellem und fotografischem Kulturgut Methoden für einen adäquaten Umgang mit dem Material und gewährleistet somit eine professionelle Betreuung des Bestands, wobei die Sicherung, Erschliessung und Nutzbarmachung des Bestandes im Vordergrund stehen. Das Archiv befindet sich seit 2006 in den neuen Kellerräumen der HTW in Berlin Oberschöneweide.

Für das von dem Bildwissenschaftler Jan Henselder initierte “Formatlabor” entwickeln und publizieren die Studenten/innen der HTW seit 2008 ihre archivbezogenen Projektarbeiten auf dieser Webseite.

Quellen:

IFBT Broschüre: “Audiovisuelle Lehr- und Lernmittel für Universitäten, Hochschulen- und Fachschulen”, Berlin 1985

Koerber, Martin: “Überlieferungsgeschichte des Medienarchivs der FHTW”, Berlin 2003

Koerber, Martin: “Bearbeitung des Medienarchivs, Berichte und Ausblick”, Berlin 2004

Evelore Köppen, Karla Wieland, Alfred Honisch. “Konzept zur Erhaltung, Dokumentation und Nutzung audiovisueller Lehr- und Lernmittel, die von 1950-1990 für die Hoch- und Fachschulausbildung der ehemaligen DDR produziert wurden” IFM, Berlin 1993

Anika Helmstaedt, Frauke Bornemann, Anne Meineke “Konzept zur Erhaltung und Nutzung von Lehrmedien der ehemaligen DDR” Semesterprojekt Berlin 2007

http://www.defa-stiftung.de/cms/(S(vr4y4m55b55d4o3i4v2czpqx))/DesktopDefault.aspx?TabID=1008

http://www.reading.ac.uk/CEGS/cegsfilm.asp

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Weiter Informationen:

Nach Rückfrage beim Bundesarchiv-Filmarchiv gibt es in der Bibliothek des Bundesarchivs in Lichterfelde einige Unterlagen zum IFBT – unter den
Signaturen 00 A 3158 und 3159 und 04 A 2687.

Bundesarchiv-Filmarchiv Lichterfelde
Besuchsadresse:
Finckensteinallee 63
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Telefax 03018/7770-111
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http://www.bundesarchiv.de/aufgaben_organisation/dienstorte/berlin/index.html